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Recklinghausen, 19. Juli 2011  

"Es war immer einer hinter uns"

Ayse, Leyla und Mehmet Ali Arslan helfen, wenn sie gebraucht werden - auch aus Dankbarkeit

Von Theresa Breuer

11.07.19 Arslan
Mehmet Ali, Ayse und Leyla Arslan (von links) helfen
beim SkF aus, wenn sie gebraucht werden. Die Geschwister
wollen andern helfen, weil sie selbst oft Hilfe brauchten.

SÜD. Die Eltern von Ayse, Leyla und Mehmet Ali Arslan kamen als Flüchtlinge aus der Türkei nach Deutschland. Das ist schon so lange her, dass man meinen könnte, die Erinnerung sei langsam verblasst, die Nachwirkungen hätten längst an Wucht verloren. Dass sie wirklich hier angekommen sind, ist aber nicht allzu lange her. Geschafft haben sie das nur "weil immer einer hinter uns war", sagen die erwachsenen Kinder Arslan.

Jetzt wollen Ayse, Leyla und Mehmet Ali anderen den Rücken stärken, weil sie wissen, wie bedeutend es ist, dass jemand da ist. Wie bei ihnen Maria Bongers, Sozialarbeiterin beim Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) und dort zuständig für Flüchtlinge in Recklinghausen.
Die drei sind 17, 20 und 22 Jahre alt. Sie alle sind in Deutschland geboren. Dass ihre Eltern nach Deutschland kamen, ist Jahrzehnte her, dass sie hier leben, arbeiten und auch bleiben dürfen, hat Jahrzehnte gedauert. Das alles hatte Auswirkungen auch für die Kinder.

Erst jetzt beginnt für die Familie so langsam etwas wie Normalität. Nach Jahren mit der Unsicherheit, bleiben zu dürfen oder am Ende doch abgeschoben zu werden. Jetzt ist es sogar so weit, dass Mehmet Ali sich selbstständig gemacht hat - er ist Chef im Döner-Imbiss "Central Kebaphaus" an der Bochumer Straße - die jüngste der Geschwister träumt davon, Polizistin zu werden. Hier in Deutschland, wo sie sich zu Hause fühlen ("Ich fühle mich deutsch", sagt Ayse Arslan), aber für sie vieles nicht selbstverständlich ist.

Ayse Arslan ist zweimal im Monat beim Internationalen Frauentreff dabei, ein SkF-Angebot, das deutsche und ausländische Frauen zusammenbringt. Sie ist dabei, hört die Geschichten anderer Frauen, die sich "alle ähneln". Freiwillig macht sie das. Aus Dankbarkeit, weil ihr und ihrer Familie geholfen wurde und weil sie schwierige Lebenssituationen allzu gut nachempfinden kann. In den Gesprächen der Frauen geht es um das, was war: Flucht, Vertreibung, manchmal Gewalt, Angst fast immer, aber auch um schöne Dinge oder alltägliche. Und es geht um das, was sie hier in Deutschland, in der Fremde, erwartet: Behördengänge, Arztbesuche, das Einfinden in das kulturelle und gesellschaftliche Zusammenleben und in die Sprache.

Zuhören, das ist Ayses Aufgabe. "Ich bin jung, was soll ich den Älteren raten", fragt sie. Antworten geben sich die Frauen untereinander - auch Mutter Arslan ist dabei - oder sie bekommen sie von Maria Bongers. "Was sie für uns getan hat, können wir mit unserer Hilfe beim Anstreichen oder Waffeln verkaufen, nicht mehr aufholen", sagt Ayse Arslan über Maria Bongers. Bei der Sozialarbeiterin scheint der Beruf über die reine Pflichterfüllung hinauszugehen. So empfinden das die Menschen, mit denen sie zu tun hat jedenfalls.

Im Gegenzug sozusagen helfen die, die können, wenn für ein Straßenfest gebacken werden muss oder die SkF-Räume am Neumarkt einen neuen Anstrich benötigen. Dann packen auch Ayses Geschwister Mehmet Ali und Leyla mit an. "Uns ging es früher auch schlecht und dann war immer einer da", sagt Mehmet Ali, der extra seine Arbeit im Imbiss zum Gespräch beim SkF unterbricht. "Jedes Recht zieht auch eine Pflicht nach sich", sagt Maria Bongers. "Das wollte ich genauso sagen", fügt Mehmet Ali Arslan an. Sie spüren Verantwortung - sie wollen weitergeben, was ihnen an Hilfe wiederfahren ist. Wenn auch bisweilen in anderer Form.

Ayse, seine Schwester, sagt: "Ich möchte Menschen in Not helfen." Deshalb will sie Polizistin werden. Dafür braucht sie aber den deutschen Pass. Vielleicht kann ihr da jemand helfen, der schon einen Schritt weiter ist als sie. So wie sie anderen hilft bei Schritten, die sie schon geschafft hat.

Recklinghäuser Zeitung vom 8. Juli 2011