Kontakt

Christina Wohlgemuth, Diplom-Sozialarbeiterin, zertifizierte Schuldnerberaterin
Kemnastraße 7
45657 Recklinghausen
Telefon: 02361 48598-28
E-Mail: christina.wohlgemuth@skf-recklinghausen.de

Sprechzeiten: donnerstags von 13:00 bis 17:00 Uhr

 
Recklinghausen, 30. Januar 2012  

Wenn die Miesen immer mehr werden…

…hilft seit einem Jahr die SkF-Schuldnerberatung / 200 Ratsuchende

Von Ulrike Geburek

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Das Team der SkF-Schuldnerberatung (von links):
Wiebke Janssen, Angelika Arimont, Giancarlo Cillis
und Christina Wohlgemuth.
Foto: U. Geburek

Ruck, zuck schuldenfrei. Sozusagen während des abendlichen Fernsehprogramms. Wenn Wiebke Janssen und Christina Wohlgemuth auf den RTL-Berater Peter Zwegat angesprochen werden, müssen sie lachen. Denn die zwei Expertinnen des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) wissen: Die Realität sieht anders aus. Ganz anders.

Vor einem Jahr übernahm der Wohlfahrtsverband im Auftrag der Stadt die Schuldnerberatung in Recklinghausen. Seitdem hat das Team von Fachbereichsleiter Giancarlo Cillis gut zu tun. "Immer mehr Menschen sind ver- und sogar überschuldet", sagt der Diplom-Jurist. Wiebke Janssen und Christina Wohlgemuth nicken. Das können sie nur bestätigen. 200 Männer und Frauen, vom jungen Erwachsenen bis hin zum Senior, baten 2011 um ihre Hilfe. Und die Warteliste ist lang, denn dank Herrn Zwegat ist die Hemmschwelle gesunken, sich fremde Hilfe zu holen. Doch Termine gibt es erst wieder für März.

Aber um dem SkF weiteres Personal zu bezahlen, fehlt der Stadt das Geld. So teilen sich die Schuldnerberaterinnen eine Stelle, unterstützt von Angelika Arimont, der netten Stimme am Telefon. Die Verwaltungskraft ist im Büro für die Terminvergabe zuständig. Und nimmt den in der Regel verlegenen Anruferinnen und Anrufern schnell die Scham. "Das sind ja ganz normale Menschen. Und viele sind unverschuldet in diese missliche Lage geraten", erklärt sie bestimmt.

Häufig sind der Verlust des Partners, der Arbeit oder eine Krankheit verantwortlich für die Schulden. Da ist der Familienvater, dessen Firma in die Pleite geschlittert ist, dort die Seniorin, die nach dem Tod ihres Mannes nicht mehr mit der gekürzten Rente auskommt. "Viele können aber auch einfach nicht mit Geld umgehen", erzählt Diplom-Sozialarbeiterin Christina Wohlgemuth weiter. Und in der Zeit der EC-Karte werde es den Menschen leicht gemacht zu zahlen, ohne etwas im Portemonnaie zu haben. "Es ist verlockend. Überall gibt es günstige Kredite und Ratenkauf ohne Ende."

38,2 Prozent der Ratsuchenden hatten (oder haben noch, denn es geht natürlich nicht so schnell wie bei Herrn Zwegat) bis zu 10 000 Euro Schulden, 32,4 Prozent sogar bis zu 25 000 Euro. Zwischen einer und 45 Forderungen müssen sie begleichen. "Viele von ihnen verdrängen das total. Ihnen wird erst bei uns bewusst, was sie da alles angehäuft haben", berichtet Diplom-Sozialarbeiterin Wiebke Janssen.

Nun kommen die Beraterinnen zum Zuge. Sie sortieren zunächst die Papiere, verschaffen sich oft mühsam einen Überblick, bevor sie eine Strategie entwickeln und Kontakt zu den Gläubigern aufnehmen. Für manche ist auch die Verbraucherinsolvenz ein Thema. Die Spezialistinnen gucken zudem genau hin, wo die Männer und Frauen sparen können, etwa bei Versicherungen. "Bei allen ist der starke Wille da, die Schulden zu bezahlen", betont Giancarlo Cillis. Zumal viele von ihnen unter massivem Druck der Inkassobüros stehen. "Die psychosoziale Belastung ist enorm. Bei solchen Problemen können wir sofort weitervermitteln, denn das SkF-Angebot ist groß", berichtet Christina Wohlgemuth.

Mit dem Regulieren der "Altlasten" ist die Arbeit der Beraterinnen übrigens nicht getan: Sie helfen, neue Schulden zu vermeiden. "Ein Haushaltsbuch ist zum Beispiel viel wert", verrät Wiebke Janssen und nickt. Aber trotz alledem können sie nicht jeden Schuldner retten. Manche haben zu viele Miese. Der "Kuckuck" ist ein alter Bekannter. So bleibt ihnen nur das Leben an der Pfändungsgrenze. Doch dabei lassen die Expertinnen sie ebenfalls nicht allein.

Quelle: Recklinghäuser Zeitung