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Christina Wohlgemuth

Christina Wohlgemuth, Diplom-Sozialarbeiterin, zertifizierte Schuldnerberaterin
Kemnastraße 7
45657 Recklinghausen
Telefon: 02361 48598-28
E-Mail: christina.wohlgemuth@skf-recklinghausen.de  

 
Recklinghausen, 15. Februar 2013  

Private Verschuldung wächst wieder

Von Andreas Rorowski

Christina Wohlgemuth kann sich über Mangel an Arbeit nicht beklagen. Da geht es der Schuldnerberaterin des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) in Recklinghausen nicht viel anders als den mehreren Dutzend Kolleginnen und Kollegen in den zahlreichen Beratungsstellen im Kreisgebiet. In einer strukturschwachen, von überdurchschnittlich hoher Arbeitslosigkeit geprägten Region gibt es auch viele Menschen, die über ihre Verhältnisse leben oder leben müssen. 62 630 Menschen im Kreisgebiet, 11,97 Prozent der gesamten Bevölkerung, waren im vergangenen Jahr überschuldet.

Das geht aus dem jüngsten Schuldneratlas des Inkasso-Dienstleisters Creditreform aus Bochum hervor. Er verzeichnet im gesamten Ruhrgebiet, aber eben auch im Kreis Recklinghausen, einen Anstieg der privaten Verschuldung. 3620 Menschen mehr als noch 2011 waren im Vorjahr in der Region von der Überschuldung betroffen. Der Anstieg um 0,71 Prozentpunkte ist der zweitgrößte im gesamten Revier hinter Gelsenkirchen (0,81). Immerhin liegt der Kreis mit seiner Quote (11,97) noch unter dem revierweiten Durchschnitt von 12,94 Prozent. Aber nur in Dortmund (67 685) gibt es absolut noch mehr verschuldete Menschen als im Kreis Recklinghausen.

Vergleich nach Postleitzahlen

Dabei gibt es je nach Wohngebiet deutliche Unterschiede (Übersicht). Die meisten Verschuldeten wohnen in Castrop-Rauxel in den Stadtteilen Ickern und Habinghorst (16,86 Prozent) sowie in Recklinghäuser Stadtteilen Hochlarmark und Süd (45661; 16,63), die wenigsten in Haltern am See. Mit einer Verschuldungsquote von 7,26 gehört Haltern zu den "Gewinnern" im Postleitzahlenvergleich. Die sogenannte Spreizung, die Differenz der größten und der kleinsten Verschuldungsquote, liegt im Kreis bei 9,60. Das ist keine unerhebliche Differenz. Indes fällt sie in anderen Regionen, etwa in Dortmund, Duisburg, Essen oder Gelsenkirchen sogar noch doppelt so hoch aus.

Aus Sicht von Christina Wohlgemuth, die seit Mitte der 1980er Jahre in der Schuldnerberatung arbeitet, gab es in den vergangenen Jahren spürbare Veränderungen. Nicht Arbeitslosigkeit, wie häufig unterstellt, sei das alles entscheidende Kriterium für die Verschuldung, so die 51-Jährige. Besondere Lebensumstände wie der Tod eines Partners, Krankheit oder Renteneintritt seien bei Älteren oft verantwortlich für den finanziellen Abstieg. "Und bei den Jüngeren fehlt häufig ein Gespür für den Umgang mit Geld." Der SkF wie auch andere Organisationen versuchen mit Prävention dagegen zu halten.

Arbeitskreis Schuldnerberatung

Im Arbeitskreis Schuldnerberatung tauschen kontinuierlich Mitglieder von mehr als einem Dutzend Organisationen aus dem gesamten Kreisgebiet ihre Erfahrungen dazu und zu vielen anderen Aspekten der Schuldnerberatung aus. Aus Sicht von Christina Wohlgemuth könnte die psychosoziale Betreuung der Klienten einen noch größeren Platz einnehmen als bislang. Deren seelische Belastung sei mitunter enorm.

Aber es gibt immer wieder auch Erfolgserlebnisse - in Angriff genommene Entschuldungen, durchgerissene Schuldscheine, Neuanfänge. "Das sind immer wieder schöne Momente", sagt die Schuldnerberaterin. Es sei etwas, was sie und ihre Kollegen motiviere.

Quelle: WAZ