Kontakt

Sozialdienst katholischer Frauen Recklinghausen e.V.

Kemnastraße 7
45657 Recklinghausen
Telefon: 02361 48598 - 0
Fax: 02361 48598 - 18
E-Mail: info@skf-recklinghausen.de

 
Recklinghausen, 6. November 2014  

Betreuung muss ausgebaut werden

Von Alfred Pfeffer

Flüchtlingshilfe: Frank Schwabe (SPD) fordert mehr Rückendeckung für die Städte

14_11_06_frank_schwabe
Der heimische Bundestagsabgeordnete
und Sprecher der  SPD für Menschenrechte,
Frank Schwabe, machte sich von der Flüchtlingshilfe
vor Ort ein Bild.

RECKLINGHAUSEN. Die steigenden Flüchtlingszahlen und die jüngsten Skandale in Asylbewerberheimen in NRW brachten neue Brisanz in das Thema. Jetzt besuchte der heimische SPD-Bundestagsabgeordnete Frank Schwabe - er ist Sprecher der Bundes-SPD für Menschenrechte und humanitäre Hilfen - die Flüchtlingsunterkünfte.

Warum der Besuch gerade jetzt?

Ich will mir vor Ort ein Bild von der Entwicklung machen, damit ich in Berlin für Unterstützung werben kann. Natürlich geht es um die Frage, ob die Unterkünfte und Betreuungsmöglichkeiten den Notwendigkeiten einer menschenwürdigen Lebenssituation gerecht werden. Zugleich will ich aber auch auf die Schicksale der Flüchtlinge aufmerksam machen, die mit furchtbaren Kriegserlebnissen zu uns kommen. Und ich möchte die Menschen würdigen, die sich im kirchlichen und ehrenamtlichen Umfeld um die geschundenen Menschen kümmern.

Wie ist es nach Ihrem Eindruck um die Aufnahme der Flüchtlinge in Recklinghausen bestellt?

Ich habe den Eindruck, dass es hier eine große Akzeptanz für die Flüchtlingshilfe gibt. Obwohl Recklinghausen - wie die meisten Städte - sein Engagement geradezu versteckt, statt es offensiv nach außen zu tragen und transparent zu machen. An der Willkommenskultur könnte man noch arbeiten.

Und die konkrete Situation in den Asylbewerberheimen, was haben Sie vorgefunden?

Die bauliche Situation ist natürlich schlecht. Aber es ist verständlich, dass die Stadt hier nicht mehr viel investieren will, weil sie sich zum Neubau der Flüchtlingsheime
entschlossen hat. Die psychosoziale Betreuung der Menschen ist hervorragend. Der Sozialdienst katholischer Frauen macht hier einen Superjob. Aber es zeichnet sich ab, dass die Flüchtlingsbetreuerin dem weiteren Zustrom nicht mehr gewachsen sein wird. Die Betreuung muss dringend ausgebaut werden.

Woher soll das Geld kommen, um das zu finanzieren?

Dazu bin ich ja hier, um zu schauen, was die Kommune braucht, um der schwierigen Aufgabe gerecht zu werden. Natürlich werde ich in Berlin mehr Unterstützung einfordern.

Finden Sie es in diesem Zusammenhang in Ordnung, dass die Stadt den Neubau der Flüchtlingsheime allein finanzieren muss?

Man kann darüber streiten, ob es eine Bundesaufgabe ist. Derzeit ist die Rechtslage aber so, dass die Kommune im investiven Bereich allein verantwortlich ist.

Lässt der Bund die Städte also doch mit den drängenden Problemen im Regen stehen?

Ganz sicher nicht. Im Dezember wird es einen Flüchtlings-Gipfel bei der Kanzlerin geben. Dann geht es um mehr Geld für die Flüchtlingshilfe vor Ort und die humanitäre Hilfe in den
Ursprungsländern. Auch die Frage, ob leer stehende Bundes-Liegenschaften künftig als Flüchtlingsunterkünfte genutzt werden können, wird dann entschieden.

Mit Geld allein wird es nicht getan sein, den zu erwartenden Zustrom in den Griff zu bekommen?

Das ist richtig. Es muss sich auch an den Rahmenbedingungen etwas ändern. So denken wir zum Beispiel darüber nach, nur noch die Kriegsflüchtlinge in den Flüchtlingsheimen vor Ort in den Städten aufzunehmen, die ganz sicher ein dauerhaftes Bleiberecht bekommen werden, und die anderen Asylbewerber in landesweiten Einrichtungen unterzubringen. Ganz wichtig auch: Wir wollen erreichen, dass Asylbewerber schon nach drei Monaten eine Arbeitserlaubnis bekommen. Im Moment ist es noch so, dass sie während ihrer jahrelangen Verfahrensdauer untätig vor sich hin vegetieren müssen - man muss es so hart sagen.

Quelle: Recklinghäuser Zeitung