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Recklinghausen, 11. Juni 2015  

"Oft ist der erste Schritt schwierig"

SkF bietet seit 2011 eine kostenfreie Schuldnerberatung

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Die Schuldnerberaterinnen des SkF, Anne Breddemann und Wiebke Janssen

Einen Wunsch kann Wiebke Janssen nicht erfüllen: "Wir können Schulden nicht wegzaubern." Doch die Diplom-Sozialarbeiterin schiebt auch gleich nach: "Helfen können wir natürlich - wenn die Bereitschaft da ist, sich helfen zu lassen und sich miteinzubringen." Seit dem Beginn in 2011 ist Janssen Teil des Schuldnerberatungs-Teams des SkF Recklinghausen, das allen Recklinghäuserinnen und Recklinghäusern Unterstützung anbietet, die verschuldet oder gar überschuldet sind. Und das sind nicht wenige.

"Wir haben großen Zuspruch, weil es vielen oft auch leicht gemacht wird", erklärt die zertifizierte Schuldnerberaterin und meint damit, dass es auch durch das Internet immer leichter geworden ist, zum Beispiel Raten- oder Handy-Verträge abzuschließen. Dabei hat Janssen oft die Erfahrung gemacht, dass für Klienten der erste Schritt der schwierigste ist: "Wenn dann erst einmal der Entschluss gefasst worden ist, Hilfe anzunehmen, wird für viele die Situation leichter." Der Erstkontakt läuft dann über Angelika Arimont, dort werden Termine vereinbart. In akuten Notlagen werden Janssen oder ihre Kollegin Anne Breddemann auch sofort aktiv. "Das kommt eher selten vor, denn meist sind die Schulden ja nicht über Nacht entstanden."

Beim dann vereinbarten Erstgespräch wird erst einmal die Gesamt-Situation unter die Lupe genommen. "Idealerweise haben die Klienten dann schon alle Gläubigerunterlagen in geordneter Form dabei. Schwierig ist es, wenn man einen Karton hingestellt bekommt und erst einmal sortieren muss." Dann wird auf das Einkommen geschaut, denn die SkF-Schuldnerberatung ist nicht für Bezieher von Arbeitslosengeld II (Hartz IV) zuständig. Um die kümmert sich in Recklinghausen die Diakonie im Kirchenkreis. "Es kommt aber schon vor, dass ALGII-Bezieher an uns herantreten, dann leiten wir sie weiter an die Kollegen der Diakonie."

Meist melden sich die Schuldner selbst, in seltenen Fällen nimmt die LWL-Klinik Herten Kontakt zum SkF auf. "Bei Auszubildenden hat sich auch schon mal der jeweilige Arbeitgeber bei uns gemeldet", so Janssen. Aber auch die Mund-zu-Mund-Propaganda funktioniert nach knapp fünf Jahren gut. "Da geben manchmal Freunde oder Nachbarn, die selbst einmal bei uns waren, den Hinweis." Ein Erstgespräch dauert im Schnitt 45 Minuten, der Klient erhält dann im Nachgang einige "Hausaufgaben". Gleich im ersten Gespräch werden aber auch schon Tipps gegeben. Wie komme ich an einen Tafel-Ausweis? Wie läuft das mit der Zuzahlung bei Medikamenten? Solche und andere Fragen beantwortet Janssen direkt.

Nach dem Erstgespräch schreibt die Beraterin dann die Gläubiger an und listet alle Forderungen auf. "Erst wenn sich die Gläubiger alle bei uns gemeldet haben, vereinbaren wir Folgetermine. Oder, wenn noch Unterlagen fehlen", erklärt die Sozialarbeiterin das Prozedere. An dem im Idealfall am Ende die Entschuldung entsteht. "Das kann aber eine Zeit dauern", betont Janssen. Und in seltenen Fällen sind die Schulden eben nicht wegzubekommen. "Dann zeigen wir aber Wege auf, wie man auch mit Schulden vernünftig leben kann", erklärt die Beraterin.

Die Quote derer, die abbrechen und sich nicht wieder melden, ist gering.
Janssens Klientel ist "bunt gemischt". Der Großteil ist zwischen 18 und 40 Jahre alt. "Und dann wieder im Rentenalter", so Janssen. Die Verteilung zwischen männlichen und weiblichen Klienten ist ausgeglichen. "Wichtig ist, dass der Schuldner selbst zu uns kommt. Wir können nicht helfen, wenn die Ehefrau uns kontaktiert und sagt, dass ihr Mann Kredite aufgenommen hat und nun nicht mehr klar kommt. Das muss von demjenigen ausgehen und auch gewollt sein, der betroffen ist", erklärt die Expertin.

Gründe für Ver- oder Überschuldung sind oft Arbeitslosigkeit, längere Krankheiten, Trennung vom Partner oder auch gescheiterte Immobilienfinanzierungen. Bei letzerem kommen oft gleich große Summen zusammen. "Gerade da ist eine Entschuldung schwierig, weil dahinter meist ja nur zwei oder drei Banken stecken und nicht wie bei Ratenverträgen viele Gläubiger", erklärt die Beraterin.

Ein großes Problem sei schon immer der Mangel an der so genannten "finanziellen Allgemeinbildung". Janssen hat die Erfahrung gemacht, dass "leicht der Überblick verloren wird und es dann aus dem Ruder läuft." Dann werden die SkF-Expertinnen aktiv. "Wir sorgen erst einmal dafür, dass die Schreiben der Gläubiger aufhören und dass ein Pfändungsschutz eingeräumt wird. Viele sind dann erst einmal beruhigt. Wir nehmen unseren Klienten aber auch nicht alles ab. Sie müssen sich an dem Prozess aktiv beteiligen", sieht Janssen einen ganz wichtigen Faktor, dass die Schuldnerberatung am Ende auch erfolgreich ist.

Quelle: geistREich, Kirchenzeitung für Recklinghausen Ausgabe 5, 3. Juni 2015; Daniel Maiß