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Münster/ Recklinghausen, 29. Dezember 2015  

Da wird Sparen teuer

Betreuungsvereine existenziell gefährdet/ Vergütung seit zehn Jahren nicht angepasst/ Vorsorgevollmachten können Betreuungen vorbeugen

Münster (cpm). Die Betreuungsvereine im Land NRW sind in ihrer Existenz akut bedroht. Das gilt auch für die 18 Betreuungsvereine der Caritas und ihrer Fachverbände Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) und Sozialdienst Katholischer Männer (SKM) in der Diözese Münster. Müssen sie aufgeben, "wird das Sparen teuer". Ludger Schulten, Referent im Diözesancaritasverband Münster, zeigt die Konsequenzen auf: Dann wird die bislang hohe Zahl an ehrenamtlich geführten Betreuungen weiter einbrechen und gleichzeitig wird die Zahl der Betreuungen wieder zunehmen, weil Informationen zu Vorsorgevollmachten und Hilfe beim Ausfüllen der Formulare entfällt. Seit zehn Jahren ist die Stundenpauschale für hauptamtliche Betreuungen von 44 Euro nicht angehoben worden. "Die eine Million Euro mehr für die Gewinnung und Begleitung von Ehrenamtlichen im kommenden Jahr vom Land NRW kann da nur ein erster Schritt sein", sagt Schulten.

Die schwierige Lage der Betreuungsvereine spiegelt sich in der Bundesstatistik schon wider. Einerseits konnte der stetige Anstieg der Betreuungszahlen auf über 1,3 Millionen in den vergangenen zwei Jahren abgebremst werden. Schulten führt das auf die bis dahin ebenso steigende Zahl an Vorsorgevollmachten zurück. Doch da gibt es in 2014 erstmals ein Minus, weil die Betreuungsvereine ihre Angebote einschränken mussten. "Für Informationsveranstaltungen und Einzelhilfe beim Ausfüllen der Vollmachten gibt es gar keine Landesfinanzierung", erklärt Schulten, "obwohl das Aufgabe der Betreuungsvereine ist."

Wegen der um fast 16 Prozent gestiegenen Sach- und um 25 Prozent gestiegenen Personalkosten seit 2005 haben die Betreuungsvereine zunehmend Defizite aufgebaut. Die Gefahr wachse, dass dies durch eine steigende Zahlen von Betreuungen pro Mitarbeitenden aufgefangen werde. Aber da sieht Schulten die Grenze erreicht. Einschränkungen der Leistungen für den einzelnen Betreuten sei kaum möglich: "Wenn es etwas zu tun gibt, dann muss das getan werden und in der Regel sofort".

Neben der Führung eigener Betreuungen, bemühen sich die Betreuungsvereine in großem Umfang darum, Ehrenamtliche dafür zu gewinnen. "Aber die müssen wissen, dass sie vor allem in Krisenfällen jemanden im Rücken haben." Meistens sind es Angehörige, die die Betreuungen bei Krankheit, Behinderung oder im Alter übernehmen. Auch die müssten geschult und begleitet werden.

Während die Zahl der Betreuungen, die von "Berufsbetreuern" übernommen werden, auf 36 Prozent in 2014 gestiegen ist, nahm die Zahl des ehrenamtlichen Anteils in 14 Jahren um 13 Prozent ab. Derzeit überwiegt in den 18 Betreuungsvereinen noch die Zahl der Ehrenamtlichen mit 3.640 gegenüber 2.334 Betreuungen durch hauptamtliche Mitarbeitende. "Müssen Vereine aufgeben, wie das in unserer Diözese bereits vor Jahren im Kreis Warendorf und aktueller beim Caritasverband Recklinghausen geschehen ist, wird die Zahl der Ehrenamtlichen deutlich sinken", ist sich Schulten sicher.

130-2015 (hgw) 29. Dezember 2015